Nachruf auf Univ.-Prof. Dr. Herbert Schwedt

(31. Juli 1934 – 21. März 2010)

Das Deutsche Institut der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und die Abteilung Kulturanthropologie/Volkskunde trauern zusammen mit der Gesellschaft für Volkskunde in Rheinland-Pfalz e.V. um Univ.-Prof. Dr. Herbert Schwedt, der am 21. März 2010 im Alter von 75 Jahren in Bad Kreuznach verstorben ist. Herbert Schwedt war 27 Jahre lang Professor für Volkskunde an der Mainzer Universität und hatte für dieses Fach die einzige Hochschullehrerstelle im Land Rheinland-Pfalz inne. Neben seiner Tätigkeit als Universitätslehrer zeichnete er sich als Wissenschaftler besonders durch seine Arbeiten auf den Gebieten der Brauch-, Fest-, Vereins- und Gemeindeforschung aus und übernahm darüber hinaus als Geschäftsführender Leiter des Deutschen Instituts und Dekan des Fachbereichs 13 Verantwortung in der universitären Selbstverwaltung.

Herbert Schwedt stammte aus Schlesien und wurde 1934 in Beuthen geboren. Sein Studium der Geschichte, Germanistik, Ethnologie und Volkskunde absolvierte er an den Universitäten Jena, Göttingen und Tübingen. 1960 wurde er dort im Fach Volkskunde mit einer Arbeit über gemeinschaftliche Lebensformen in großstädtischen Siedlungen promoviert. 1968 habilitierte er sich an derselben Hochschule über „Kulturstile kleiner Gemeinden“. Nach einer Dozentur an der Fachhochschule für Bibliothekswesen in Stuttgart wurde Herbert Schwedt 1972 an die Mainzer Universität berufen. Zu den frühen Forschungsprojekten, die er hier zusammen mit seinen Studierenden verfolgte, gehörte eine Untersuchung über die Mainzer Fastnacht. Sie erschien 1977 als Band 1 der Mainzer Studien zur Sprach- und Volksforschung. Das Konzept des forschenden Lehrens wurde von ihm in mehreren Projekten weiter entwickelt, die unter anderem den Abwanderungsregionen in Rheinland-Pfalz gewidmet waren, der regionalen Brauchforschung, der Zukunft kleiner Gemeinden oder dem Alltagsleben in zwei ausgewählten ungarndeutschen Dörfern. Deren Untersuchung erscheint aus heutiger Perspektive vor allem deshalb so wertvoll, da sie noch vor dem Fall des „Eisernen Vorhangs“ begonnen wurde und exemplarisch den Wandel im Übergang zur postsozialistischen Gesellschaft dokumentiert.

Ein Blick auf die zahlreichen Veröffentlichungen von Herbert Schwedt zeigt, dass er sich – zum Teil in enger Zusammenarbeit mit seiner Frau Elke Schwedt – immer wieder mit Fragen der regionalen volkskundlichen Forschung in Rheinland-Pfalz auseinandergesetzt hat. Entstanden sind auf diesem Wege grundlegende Dokumentationen und feinsinnige Analysen, deren Solidität seinem wissenschaftlichen Werk in Fachkreisen ein hohes Ansehen bescherte. Neben seiner universitären Arbeit darf seine Mitwirkung in der Museumsszene von Rheinland-Pfalz nicht übersehen werden, seine Unterstützung für die Arbeit des Instituts für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz sowie sein Beitrag bei der Gründung der Gesellschaft für Volkskunde in Rheinland-Pfalz vor 25 Jahren, deren Vorsitzender er viele Jahre lang war.

Kulturforschung im weitesten Sinne war ein Anliegen von Herbert Schwedt. Dabei fasste er stets den Menschen ins Auge und versuchte, die komplexen Zusammenhänge im alltäglichen Miteinander jenseits der großen Ideologien und vordergründigen Phrasen zu verstehen. Die Volkskunde in Rheinland-Pfalz hat mit dem Tod von Herbert Schwedt einen inspirierenden und engagierten Vertreter verloren, dem sie ein dauerhaftes Erbe verdankt.

Univ.-Prof. Dr. Michael Simon
Johannes Gutenberg-Universität Mainz Fachbereich 05 – Philosophie und Philologie Deutsches Institut – Abteilung Kulturanthropologie/Volkskunde D – 55099 Mainz

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