Landwirtschaft in Hajos

Studien zur Volkskultur in Rheinland-Pfalz Band 27

Thomas Schneider
Landwirtschaft in Hajós.
Agrarhistorie und sozialer Wandel in einem ungarndeutschen Dorf.
Mainz 2000, 350 Seiten, 20 Abbildungen, gebunden
ISBN: 3-926052-26-0
Preis: € 25.-

Hausschlachtung in Hajos 1996 – Landwirtschaft zwischen Subsistenz und Markt (Foto: Thomas Schneider)Das Buch von Thomas Schneider beschäftigt sich mit der agrargeschichtlichen Entwicklung des ungarndeutschen Dorfes Hajós, das im Jahr 1722 von oberschwäbischen Auswanderern wiederbesiedelt wurde. Die Landwirtschaft bildete die materielle Basis der Menschen über mehr als zweieinhalb Jahrhunderte, bestimmte ihren Alltag, formte ihren kollektiven Erfahrungshorizont und hatte somit maßgeblichen Einfluß auf das Denken und Handeln sowie auf das Wertesystem. Zugleich wurde deutlich, wie stark einerseits die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zustände des Dorfs mit dem Fortgang der ungarischen Agrargeschichte und der gesamtgesellschaftlichen Situation in Ungarn verknüpft waren: Hajós stellte bis 1945 ein nahezu getreues Abbild der ungarischen Agrarstruktur und der ländlichen Verhältnisse Ungarns dar. Andererseits zeigten sich hinsichtlich bestimmter Aspekte durchaus distinktive Merkmale der Hajóser Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, die im Bewußtsein und im Gedächntnis älterer Hajóser noch präsent sind.

Die Veränderung dieser Verhältnisse in den folgenden Jahrzehnten war ausnahmslos außengesteuert. Mit der Gründung des faschistischen Volksbundes zu Beginn der vierziger Jahre trat ein erster Wandel ein. Den vollständigen Bruch mit den traditionalen Strukturen des Dorfes bedeuteten die Ereignisse nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, als zunächst hunderte von Hajósern zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion deportiert wurden und der größte Teil der Hajóser Ungarndeutschen seinen gesamten Besitz verlor und der ethnischen Stigmatisierung ausgesetzt war. Die Kollektivierung der Landwirtschaft ging trotz ihres wechselvollen Verlaufs in Hajós rascher und nachhaltiger vonstatten als in anderen Dörfern. Im Zuge der sozialistischen Umgestaltung des Agrarsektors waren völlig neue Strukturen entstanden. Die Bedeutung der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften für das Dorf und seine Menschen ging in den folgenden beiden Jahrzehnten weit über deren wirtschaftliche Funktion hinaus und bildete ein Konstituens des sozialistischen Dorfes, welches damit endgültig seinen Charakter als Bauerndorf verlor.

Durch die politischen und wirtschaftlichen Veränderungen, die sich in Ungarn im letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts ereigneten, wurde die Existenzgrundlage vieler Hajóser erneut erschüttert. Das Experiment der Reagrarisierung in Form der – zumindest zeitweiligen – Rückkehr zur Parzellenwirtschaft scheiterte bereits nach kurzer Zeit. Vor dem Hintergrund des Trends zur Aufgabe der kleinen, unrentablen Bauernwirtschaften läßt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit sagen, daß eine Rückkehr zum “Bauerndorf” traditioneller Prägung auszuschließen ist.

Das Buch kann per Mail oder im Buchhandel bestellt werden
(ISBN: 3-926052-26-0).