17 – 2 / 2002: Glaube im Alltag

 

Gabriele Stüber / Andreas Kuhn
Glaube im Alltag
Die „Sammlung Volksfrömmigkeit“ im Zentralarchiv der Evangelischen Kirche der Pfalz

 

Abb. 1: Heiliger Schutzengel; Hans Zatzka, genannt Zabtieri (1859-1945), seit 1910 bis heute im Handel

Vorbemerkung

Ein Schutzengel geleitet zwei Kinder über eine defekte Holzbrücke, unter der ein reißender Bach schäumt. Eine dramatische Gebirgslandschaft mit Wald und ein Gewitterhimmel mit zuckendem Blitz vermitteln eine bedrohliche Atmosphäre.

Als das Zentralarchiv der Evangelischen Kirche der Pfalz dieses Bild in einer Ausstellung präsentierte, kamen bei vielen Besucherinnen und Besuchern Erinnerungen auf: „Das hing bei uns im Kinderzimmer“, hieß es da oder: „Meine Großmutter hatte das Bild lange Jahre im Schlafzimmer hängen“. In der Tat ist diese Chromolithographie eines der bekanntesten Bilder ihrer Gattung. Seit Ende des 19. Jahrhunderts massenhaft gefertigt, hingen Motive meist religiösen Inhalts vorzugsweise in den Schlafzimmern von Kleinbürgertum und Arbeiterschaft.

 

Entstehung und Entwicklung der „Sammlung Volksfrömmigkeit“

Angeregt durch die positiven Reaktionen auf eine gemeinsam mit dem Archiv des Bistums Speyer gezeigte Ausstellung zum Thema „Volksfrömmigkeit“ und bestärkt durch zunächst unaufgeforderte Angebote von Objekten betreibt das Zentralarchiv der Evangelischen Kirche der Pfalz in Speyer seit Anfang des Jahres 2001 gezielt den Aufbau einer stetig wachsenden „Sammlung Volksfrömmigkeit“. Die Erfahrung insbesondere in Gesprächen mit verschiedenen Ausstellungsgästen hatte gezeigt, dass viele Menschen nach einer Möglichkeit suchten, ihre Familienerbstücke, für die vielfach keine Verwendung mehr bestand, an eine Institution abzugeben. Es war zu vermuten, dass noch viele Stücke auf Dachböden oder in Kellern schlummerten. Durch die Sammlungsinitiative wollte das Zentralarchiv Zeugnisse privater christlicher Frömmigkeit vor dem Verfall oder der Vernichtung bewahren und einen wichtigen Bereich kirchlichen Lebens dokumentieren.

In Absprache mit dem Bistumsarchiv wurden von Anfang an Objekte beider Konfessionen gesammelt. Dank zahlreicher Schenkungen und einiger Erwerbungen vor allem auf pfälzischen Flohmärkten umfasst die Sammlung derzeit fast 350 Stücke. Der Bestand ist durch eine Datenbank erschlossen und zum Teil fotografisch dokumentiert. Jedes Stück ist ausführlich beschrieben und nach Möglichkeit mit Literaturhinweisen versehen. Soweit die Besitzgeschichte der Stücke zu ermitteln war, wurde auch diese vermerkt. Der zeitliche Schwerpunkt liegt im 19. und 20. Jahrhundert. Die Sammlung beinhaltet folgende Kategorien, wobei sich die Klassifikation an den vorhandenen Stücken orientiert:

· Religiöses Schrifttum (Andachts- und Erbauungsbücher, Gebetbücher, Religionspädagogische Druckwerke, Kalender, Liederbücher);
· Religiöser Wandschmuck (Haussegen und Wandsprüche, Christusdar-stellungen, Maria / Madonna mit dem Kind, Biblische Szenen, Schutzengel / Engel, Martin Luther, weitere Reformatorendarstellungen, Gustav Adolf, Mutterliebe / Vaterliebe, Zwei-Wege-Motiv);
· Kleinformatige Andachtsbilder (Lesezeichen, Postkarten, ungenormte Andachtsbilder);
· Gedenkblätter, -karten und gegenständliche Andenken;
· Glückwunschkarten zu Erstkommunion und Konfirmation;
· Gebrauchsgegenstände (Teller, Tassen, Brotdosen, Weihwasserkessel);
· Kleinplastik (Christus, Maria / Madonna mit dem Kind, Schutzengel / Engel, Kreuze, Spieluhren);
· Schmuck (vor allem Kreuzanhänger).

Die meisten Objekte entfallen derzeit auf die Kategorie des religiösen Wandschmucks, gefolgt von kleinformatigen Andachtsbildern und religiösem Schrifttum. Derzeit bemüht sich das Archiv um die gezielte Erweiterung der Sammlung im Bereich von Postkarten mit religiösen Motiven sowie um Spieluhren. In der Sammlung befindet sich auch eine Martin-Luther-Spieluhr aus der Zeit um 1900 (Typus Zimmerdenkmal).

Bereits jetzt lassen das Profil der Sammlung und die Bandbreite der Objekte interessante Rückschlüsse auf Frömmigkeitsverhalten und Äußerungen eines religiösen Marktes zu.

 

Protestantismus und Bildkultur

Entgegen weit verbreiteter Vorurteile ist der Protestantismus keineswegs arm an Bildern. Bilder werden grundsätzlich als ein Medium der Verkündigung und der Andacht akzeptiert.

Dem Bilderkult aber, seit Luther in der katholischen Frömmigkeitspraxis kritisiert, wird eine deutliche Absage erteilt. Nach Luther sind die Bilder weder gut noch böse, „man mag sie haben oder nicht haben“. (WA Bd. 10, S. 27.) Das Anbeten der Bilder verurteilt er hingegen strikt. Bilder können das Bibelwort ergänzen, nicht aber ersetzen. (Vgl. hierzu Unseld, S. 33.) Bilderarme Kirchen vor allem im reformierten Bereich spiegeln daher nur einen Abschnitt evangelischer Frömmigkeitsgeschichte wider. Zahlreiche oder weniger zahlreiche Bilddarstellungen in Kirchen sind eben nur eine Seite dieser Bildpraxis. Denn der Glaube im Alltag, die private Frömmigkeit, findet ganz besondere und eigene Ausdrucksformen. Dazu gehören Erbauungsbücher, aber auch Darstellungen in repräsentativen Bilderbibeln, Andachtsbilder, illustrierte Wandsprüche, Schutzengel- und Bibelszenen sowie Erinnerungsgraphik, um nur die wichtigsten Beispiele zu nennen.

Im Prozess der zunehmenden Säkularisierung von Staat und Gesellschaft werden religiöse Formen und Inhalte mehr und mehr zur Privatsache des Einzelnen und der Familie. In diesem Zusammenhang gewinnen private Frömmigkeitsformen und individuell verfügbare Medien an Bedeutung. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts erlebt die Bildproduktion durch die Verbesserung der technischen Voraussetzungen einen deutlichen Aufschwung. War Bildschmuck in bürgerlichen Wohnungen bis dahin nur bei sehr reichen Familien anzutreffen, so besteht nunmehr auch für weniger gut gestellte Familien die Möglichkeit, ihr Heim mit recht preisgünstigen Bildern zu schmücken. Seit der Wende zum 20. Jahrhundert, als die Bildprodukte infolge industrieller Massenfertigung immer billiger angeboten werden, weisen selbst Arbeiterwohnungen gerahmten Bildschmuck an den Wänden auf.

Neben weltlichen Motiven erfreuen sich von Anfang an auch religiöse Themen der Publikumsgunst, gefördert durch die Werbung in christlichen Zeitschriften. Die dynamisch wachsende Bildproduktion reagiert auf einen stetig wachsenden Markt mit breiten Käuferschichten in beiden Konfessionen. Die radikale kirchliche Aufklärung des späten 18. Jahrhunderts hatte in beiden christlichen Konfessionen zu einer Belebung so genannter „volksfrommer“ Bewegungen geführt.

Im katholischen Bereich war dies erkennbar an dem aufblühenden Wallfahrts- und Devotionalienwesen, am Herz-Jesu- und Herz-Marien-Kult, der stark von Frankreich beeinflusst wurde.(Vgl. Brückner, Volksfrömmigkeit, in: Frömmigkeit und Konfession, S. 46.)

Abb. 2: Der gute Hirte, Giovanni (=Josef Untersperger 1864-1933), um 1930.

Im evangelischen Bereich bilden sich zunächst in einzelnen, meist ländlichen Gemeinden private Zirkel, die der zunehmenden Rationalisierung der Amtskirche eine persönliche Glaubenserfahrung und ein entschiedenes Christentum entgegensetzen. Die so genannte Erweckungsbewegung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wird zum Initial der Institutionen Innere Mission und Diakonie. Dabei bedient sie sich in starkem Maße auch des Bildes. Neben der Rückbesinnung auf die Bibellektüre entsteht eine protestantische Jesus-Frömmigkeit, die in Jesus von Nazareth den Menschen und Helfer in den Vordergrund rückt. (Vgl. “Arme habt ihr allezeit bei euch…”, S. 15.) Bilder wie „Der Gute Hirte“ und „Anklopfender Christus“ gehören neben Schutzengeldarstellungen zu den meistverkauften Bildmotiven im evangelischen Bereich.

 

Glaubensvergewisserung durch Bilder und Sprüche

Aufgrund des preiswerten und massenhaften Angebots sind Drucke mit biblischen Motiven seit Ende des 19. Jahrhunderts in beiden Konfessionen verbreitet. In katholischen Haushalten finden sich vorzugsweise Heiligenbilder und Mariendarstellungen, in protestantischen Häusern sind Engel- und Christusmotive beliebt.

Die ästhetische Funktion des Wandschmucks spielt dabei für die Menschen eine wichtige Rolle. Entscheidend aber ist der sozialreligiöse Aspekt, denn die Bildmotive und Texte dienen der täglichen Ermutigung und sollen die Glaubensfestigkeit stärken. Während Wandschmuck und andere Objekte katholischer Volksfrömmigkeit ein bewusster Hinweis auf die Konfessionszugehörigkeit sein sollen, sind Zeugnisse protestantischer privater Frömmigkeit in vielen Fällen Ausdruck eines ganz persönlichen Glaubensbekenntnisses.

In beiden Konfessionen ist das Motiv des guten Hirten besonders beliebt. In diesem Motiv verbinden sich antike Bildmotive mit biblisch-christlichen Gedanken. Das Motiv des Mannes, der auf den Schultern ein Tier trägt, ist durch mehrere antike Bildwerke überliefert. Bereits in der frühchristlichen Kunst wird Christus immer wieder als guter Hirte dargestellt, bezugnehmend auf das Gleichnis vom verlorenen Schaf nach Lukas 15, 3-7 und das Gleichnis vom guten Hirten nach Johannes 10, 1-16. Das Motiv des guten Hirten findet sich besonders häufig auf Grabdenkmälern: Christus in der Gestalt des Schafträgers geleitet die Seele auf ihrem Weg in das Paradies und bewahrt sie dabei vor dem Zugriff dämonischer Mächte.

Die Wahl des guten Hirten als Wandschmuck drückt ein besonderes Schutzbedürfnis in Krisenzeiten und Bewährungs-situationen aus, in denen religiöser Halt gesucht wird. Nicht von ungefähr wird dieses Bild in den 1920er Jahren – nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg, zur Zeit der Wirtschaftskrise und in einer politischen Umbruchsituation – besonders häufig verkauft. Großformatige Bilder (50 cm x 120 cm) dieses Typus hingen in Wohn- oder vorzugsweise auch in Schlafzimmern, woher die häufig gebrauchte Bezeichnung Schlafzimmerbild rührt.

Schutzengelbilder wie das eingangs beschriebene Motiv sind Paradebeispiele für Zeugnisse christlicher Frömmigkeit (Abb. 2 ganz oben, Heiliger Schutzengel; Hans Zatzka, genannt Zabtieri (1859-1945), seit 1910 bis heute im Handel). Sie sollen den Menschen eines Hauses Vertrauen in den göttlichen Beistand vermitteln. Der Engel als Bote Gottes ist Begleitung auf dem gefahrvollen Lebensweg. Indem Eltern dieses christliche Bildmotiv als Wandschmuck wählen, empfehlen sie ihre Kinder dem Schutz des Höchsten. Schutzengelbilder bleiben aber nicht auf die Kinderzimmer beschränkt. Das Engelgeleit in freier Landschaft wurde neben Kindergebetsbildern seit 1880 zum Inbegriff bürgerlichen Wandschmucks beider Konfessionen. Das Schutzengelmotiv hat sein Vorbild in der Bibel: Im Buch Tobit im Alten Testament wird der junge Tobias vom Erzengel Raphael auf seiner gefahrvollen Reise begleitet. Erst am Ende der Geschichte gibt sich der Engel zu erkennen.

Auch Drucke mit einem Engel am Bett des betenden Kindes, als Pendantbilder „Morgengebet“ und „Abendgebet“, wird gern erworben. Zwar stammt die Vorstellung von einem Schutzengel, der einen jeden Menschen begleitet, aus der katholischen Lehre. Doch das Motiv des Engels ist nicht auf diese Konfession beschränkt: In Luthers Morgen- und Abendsegen beten auch die Protestantinnen und Protestanten „Dein heiliger Engel sei mit mir, dass der böse Feind keine Macht an mir finde.“
Die zahlreichen Schutzengelbilder im protestantischen Wohnbereich könnten eine Erklärung dafür sein, dass diese Motive dem Schutzbedürfnis des Einzelnen Ausdruck verleihen, aber auch ein Ersatz für Heiligen- und Marienbilder sind, die wiederum im katholischen Bereich dominieren.

Abb. 3: Illustriertes Psalmwort, um 1900.

Haussegen oder Wandsprüche wurden in schlichter Form, als gestickte Spruchbilder oder – seit Mitte des 19. Jahrhunderts – als Drucke im Wohnbereich aufgehängt. Gewählt wurden Bibelstellen, die für die Familie häufig aufgrund besonderer Erfahrungen Bedeutung hatten. „Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen…“ aus dem 121. Psalm war ein gern gewähl-ter Konfirmationsspruch und wurde häufig ins Bild gesetzt ). In der Regel kurze Texte wie etwa „Befiehl dem Herrn Deine Wege“ oder „Ich aber und mein Haus wollen dem Herrn dienen“ sind von einer Verzierung umgeben oder in ein Bildmotiv hineingesetzt. Das insbesondere als Konfirmationsspruch beliebte Bibelwort aus der Offenbarung des Johannes 2,10 war Ermunterung und Ermahnung zu einem christlichen Leben: „Sei getreu bis in den Tod, so will ich dir die Krone des ewigen Lebens geben.“ Die Verheißung himmlischen Lohnes verbindet sich Ende des 19. Jahrhunderts nahtlos mit bürgerlichem Pflichtethos, das dadurch eine quasi-religiöse Weihe erhält. Insofern findet sich auch dieser Wandspruch häufig in reicher Verzierung, etwa als Straminbild mit Eglomisérahmung, geschmückt mit Edelweiß und Farn, in der Zeit zwischen 1880 und 1920.

Die Verzierung von Wandsprüchen mit Edelweiß und Farn war in dieser Zeit üblich. Das Edelweiß steht für das ewige Leben und für selbst vor dem Einsatz des eigenen Lebens nicht zurückschreckende Liebe und Treue. Die Unbegreiflichkeit dieser Wunderkraft symbolisiert der Farn, dem der Volksglauben besondere Kräfte nachsagte. Bildgestaltungen wie diese sind nicht auf den religiösen Bereich beschränkt, sie finden sich etwa auch im Zusammenhang mit Erinnerungstafeln von Parteien und Vereinen.

Christliche Frömmigkeit ist bis heute ein gewichtiger Teil der Alltagsgeschichte und dies in einem viel größeren Maße, als den Menschen gemeinhin bewusst ist. Ihre Zeugnisse, seien es Wandbilder, Hausrat oder Erbauungsbücher, sind daher auch immer auf ihre Funktion im Hause, für die Familie, für den einzelnen Menschen hin zu befragen. Der ästhetisierende Blickwinkel würde mit den Attributen „Kunst“ und „Kitsch“, „hübsch“ und „hässlich“ viel zu kurz greifen.

Neben dem ästhetischen interessiert vielmehr der sozialreligiöse Aspekt, beim christlichen Wandschmuck also etwa die Fragen:

– Warum und zu welchem Anlass wurde ein Bildmotiv erworben?
– Wo wurde es aufgehängt?
– Was verbanden die Menschen mit dem Motiv?

Die Verbindung von Motivgeschichte, Erhellung der Bildsprache und Erwerbsmotivation verlebendigen die Besitzgeschichte und ermöglichen – etwa im Zusammenhang mit Ausstellungen – lebensnahe Beschreibungen, die Menschen einen neuen Zugang zu Bildzeugnissen vermitteln.

Abb. 4: Gustav Adolf erfleht vom Himmel den Sieg am Morgen vor der Schlacht bei Lützen

Folgendes Beispiel mag dies belegen. Die „Sammlung Volksfrömmigkeit“ des Zentralarchivs der Evangelischen Kirche der Pfalz in Speyer enthält ein großformatiges Wandbild, das die Unterschrift trägt „Gustav Adolf erfleht vom Himmel den Sieg am Morgen vor der Schlacht bei Lützen“

(Abb. 4 rechts). Die Chromolithographie wurde nach einem Gemälde von Otto Fikentscher (1862-1945) um 1900 in dem Berliner Verlag Werner Grosse publiziert. Der Schwedenkönig Gustav II. Adolf (1594-1632) betet, auf seinem Pferde sitzend, mit zum Himmel erhobenen Händen vor der Schlacht bei Lützen am 16. November 1632, in der er den Tod finden sollte. Ein typisches Historienbild jener Zeit, jedenfalls auf den ersten Blick.

Des Königs Opfertod für die gerechte Glaubenssache gewinnt durch die Motivwahl des Gebets vor der Schlacht ölbergähnliche, christusanaloge Züge. Aufgrund der Bedeutung, die das zunächst siegreiche Eingreifen Gustav Adolfs im Dreißigjährigen Krieg für die protestantische Pfalz hatte, wurde der Schwedenkönig hier besonders verehrt. In vielen protestantischen Kirchen hängt bis heute sein idealisiertes Porträt. Als Vorbild für protestantische Glaubensgewissheit stand Gustav Adolf dafür, in Zeiten religiöser Not und Bedrückung die unerschrockene Glaubensfestigkeit und Glaubensfreude nicht zu verlieren. Aufgrund dieses historischen Kontextes war mit einer Darstellung des protestantischen Glaubenshelden Gustav Adolf auch immer ein antikatholischer Affekt verbunden.

Dieses Exemplar hing im Schlafzimmer einer Familie in der Südpfalz. Zum Ende des Zweiten Weltkrieges versteckten sie das Bild aus Angst vor den einmarschierenden französischen – katholischen – Truppen in der Scheune. Aus dieser Zeit stammen auch die sichtbaren Feuchtigkeitsschäden. Als das Archiv das Bild für die Sammlung erhielt, war die Überlieferung seiner Geschichte eine wichtige Kontextinformation für die Präsentation in einer Ausstellung. Die Feuchtigkeits-Flecken wären sonst als bloßer Schaden der Zeit oder ein Zeichen nachlässiger Behandlung durch die vormaligen Besitzer gedeutet worden.

Christliche Frömmigkeit spiegelt sich auch auf Objekten des täglichen Gebrauchs. Die Bitte um das tägliche Brot aus dem Vaterunser und sprichwörtliche Redensarten religiösen Inhalts finden sich vorzugsweise auf Brottellern. Die Worte dienten der alltäglichen Erinnerung und Mahnung. Auch Brotdosen mit Segensspruch sind wichtige Alltagszeugnisse christlicher Frömmigkeit. Auf einem Porzellanbrotteller aus der Zeit um 1910 etwa sollen Rosenmotive im Zusammenhang mit dem Text „An Gottes Segen ist alles gelegen“ versinnbildlichen, dass das Menschenleben blüht und gedeiht, solange es des göttlichen Segens teilhaftig ist. Andere Teller tragen den Text „Unser täglich Brot gieb uns heute“ in Verbindung mit einem Amorettenmotiv in idyllischer Landschaft. Diese Kombination von Text und Bildmotiv spiegelt das kindliche Urvertrauen in die göttliche Gnade, die das tägliche Brot gewährt.

 

Erinnerungsbilder und Konfirmationsandenken

Einen biographischen Bezug haben die zahlreichen Erinnerungsbilder zu wichtigen Ereignissen im Lebenslauf wie Konfirmation und Hochzeit, aber auch Andenken an Verstorbene. Das Ereignis, an das hier erinnert wird, ist eine wichtige Station im christlichen Leben, so dass den Erinnerungsbildern, vor allem den Konfirmationsscheinen, der Charakter von Andachtsbildern zukommt. Konfirmationsscheine im protestantischen oder auch Kommunionsscheine im katholischen Bereich sind in diesem Kontext die wohl wichtigsten Beispiele der persönlichen Erinnerungsbilder. Für die Menschen waren sie oft lebenslange Begleiter. Wichtiger als der dekorative Charakter des Scheines war der Erinnerungswert an einen bedeutsamen Tag oder die Tatsache, dass der darauf notierte Konfirmationsspruch immer zugegen ist, zumal dann, wenn der Schein aufgehängt wurde.

Abb. 5: Brotteller aus Porzellan, um 1880; ohne Herstellernachweis.

Vom Pfarrer auf die Persönlichkeit des Konfirmierten hin ausgewählt und öffentlich im Zusammenhang mit der Einsegnung zugesagt, wurde dem Konfirmationsspruch große Bedeutung zugemessen. Als Leitvers für das weitere Leben – fast wie ein Orakel – und als Charakterisierung des Konfirmierten – fast wie ein Zeugnis – wurde seine Zusage mit Spannung erwartet. In der Mitte des 19. Jahrhunderts setzte sich die Bebilderung der Konfirmationsscheine durch. Nun sind regional gebundene Tendenzen bei der Gestaltung der Scheine zu beobachten. Sie wurden häufig bei den Druckereien etwa des Rauhen Hauses in Hamburg oder anderer Anstalten der Inneren Mission erworben. Und man entdeckte die Scheine selbst als Mittel der Inneren Mission. Mit ihnen sollte in einer Zeit schwindender kirchlicher Bindung den Konfirmierten etwas mit auf den Lebensweg gegeben werden, das religiöse Inhalte bereithielt. (Vgl. Schönebeck, S. 3-10.)

Abb. 6: Konfirmationsschein für Marianne Bürger, Oggersheim, 29. März 1942

Der Konfirmationsspruch bedeutete den Menschen in Notzeiten Trost und Zuspruch, denn er beinhaltete zumeist ein Wort, das Mut machte und die Zusage Gottes vermittelte. Durch ihn konnte man zum Glauben (zurück-) finden. Ein solches Angebot sollte der Konfirmationsschein darstellen. In gewissen Momenten, so hofften die Pfarrer, würde der einstmals Konfirmierte sich in seinem Leben dem Konfirmationsschein wieder zuwenden, einmal genauer hinsehen oder ihn aus den persönlichen Unterlagen oder unter den Erinnerungsgegenständen hervorsuchen. Für diesen Moment sollte der Schein dann etwas zu bieten haben: eine bildliche Darstellung wichtiger Glaubensinhalte oder biblischer Geschichten, ein Gebet oder einen Liedvers aus dem Gesangbuch, ferner den Konfirmationsspruch und Anknüpfungspunkte zur Erinnerung an das Konfirmationsfest und den Konfirmandenunterricht, die Zeit der Kindheit oder die Heimat. In abgeschwächter Form ist dies sicherlich auch in die Gegenwart übertragbar.

Besonders beliebte Darstellungen auf Konfirmationsscheinen waren die klassischen Werke bedeutender Künstler wie Caspar David Friedrich (Kreuz im Gebirge) oder Albrecht Dürer (Betende Hände). Die von zahlreichen Verlagen wiederholt aufgelegte Reproduktion der „Betenden Hände“ Albrecht Dürers entwickelte sich seit Ende des 19. Jahrhunderts zum allgemeinen Kulturgut in deutschen Wohn- und Schlafzimmern (Abb. 6 rechts: Konfirmationsschein für Marianne Bürger, Oggersheim, 29. März 1942). So verlegte der Evangelische Verein für die Pfalz das Motiv in den 1930er Jahren mit 100 verschiedenen Sprüchen zur Auswahl. Die Verwendung von Dürerwerken auf Konfirmationsscheinen war unter anderem deshalb beliebt, weil der Künstler sich in seinen letzten Lebensjahren zum Protestantismus bekannt hatte. Die Pinselzeichnung mit dem Titel „Hände eines Apostels“ entstand 1508 als Vorstufe für das Altarbild „Himmelfahrt und Krönung Marias“.

Gern wurden auch Konfirmationstassen verschenkt. Für die Sammlung des Zentralarchivs konnte eine um 1900 gefertigte Porzellantasse erworben werden. Sie ist mit Goldrand, Schmuckbordüre und Mittelmotiv verziert und mit einem Erinnerungstext versehen. Das Mittelmotiv verweist auf den christlichen Lebensweg: Nach der geistlichen Geburt am Tage der Konfirmation, symbolisiert durch den Kelch, begleitet die Bibel den weiteren Lebensweg bis zum Tode im Zeichen des Kreuzes. Das Fundament des christlichen Lebens ist die Hoffnung auf das ewige Leben, versinnbildlicht durch das Siegeszeichen des grünen Palmwedels. Der Bogen über dem Mittelmotiv, auf dem der Erinnerungstext angebracht ist, gemahnt an das Zeichen des neuen Bundes zwischen Gott und Mensch und an den Tag des Endgerichts, bei dem Christus als Weltenrichter auf dem Regenbogen thront. Der Goldrand unterstreicht die sakrale Bedeutung der Tasse, die keineswegs zum täglichen Gebrauch bestimmt war.

 

Frömmigkeit – Umrisse eines Phänomens

Die Durchdringung des Alltags mit Religiosität hat eine lange Tradition und wird auch mit den Begriffen Volksfrömmigkeit oder Volksglauben umschrieben. Gegenstände und Praktiken der privaten Frömmigkeit in beiden christlichen Konfessionen sind bis heute einem Bedeutungswandel und auch einem Bedeutungsverlust unterworfen. Doch Frömmigkeitsformen prägen und gestalten den Alltag zu allen Zeiten mit – und dies oft mehr, als den Handelnden bewusst ist. Private Frömmigkeit äußert sich in Objekten sowie in – meist mündlich überlieferten – Bräuchen.

Die Bandbreite dessen, was man unter dem Stichwort „Volksfrömmigkeit“ subsumieren kann, ist natürlich sehr groß. Was versteht man überhaupt unter Volksfrömmigkeit? Der Begriff findet sich zwar in einigen Konversationslexika, wie etwa im Brockhaus, aber die Definition ist fragwürdig. So weist Band 23 der neubearbeiteten „Brockhaus Enzyklopädie“ aus dem Jahre 1994 unter dem Stichwort folgenden Eintrag aus:

„Volksfrömmigkeit. Bezeichnung für Formen der Frömmigkeit und des Kultes, die sich von der offiziellen Religion dadurch unterscheiden, daß sie Reste früherer Zeiten und untergegangener oder verdrängter Religionen bewahren“.

Sodann wird auf das Stichwort Volksglaube verwiesen, unter dem sich einige Literaturhinweise befinden, die nach Auffassung von Wolfgang Brückner, eines ausgewiesenen Kenners der Materie, weit hinter den mittlerweile erreichten Forschungsstand zurückfallen. Da Frömmigkeit ein Wort aus der Alltagssprache ist, lässt sich also trefflich mit diesem Stichwort fabulieren. Brückner selbst hatte in der Brockhaus-Ausgabe von 1974 eine umfassende Definition des Begriffes Volksfrömmigkeit geliefert, die auch heute noch gültig ist und hier in Auszügen wiedergegeben wird:

„Volksfrömmigkeit, eine Sonderbezeichnung der Volkskunde für Erscheinungen des Volksglaubens, soweit sie von Überlieferungen der christlichen Konfessionen geprägt sind oder im Zusammenhang des kirchlichen Lebens stehen wie das volkstümliche Wallfahrts- und Prozessionswesen, die Praxis der Heiligenverehrung und des Sakramentaliengebrauchs, die Wegekreuze und Feldkapellen, die brauchtümliche Ausschmückung der Jahresfeste, der Lebensstadien sowie des Tageslaufs, vor allem aber die solcher Welterfahrung und -gestaltung zugrundeliegende ,geistliche‘ Kommunikationsweise in Bildern und Zeichen, weiterhin die geistlichen Lieder und Schauspiele.“ (Vgl. Brückner, Probleme der Frömmigkeitsforschung, in: Frömmigkeit und Konfession, S. 77. Hier auch die Bewertung der derzeitigen Lexikoneinträge.)

In einem umfassenden Wortsinn bedeutet Frömmigkeit, einer Religion gemäß zu leben und zu handeln. Frömmigkeit umschreibt somit zahlreiche Formen religiösen Handelns, dessen Formen geprägt sind durch Tradition sowie durch wechselnde historische Situationen, die sich wiederum zu Traditionen aufbauen können. „Volksfrömmigkeit“, genauer private christliche Frömmigkeit, beinhaltet also religiöses Handeln im Alltag, wobei über dieses Handeln Konsens besteht. Das heißt: dieses Handeln ist in weiten Teilen der Bevölkerung verbreitet, es hat seinen Sitz in der Imagination der Menschen, ist täglich gelebter und lebendig gehaltener Glaube außerhalb von Kirche und Gottesdienst. Volkskirche lebt auch und gerade in den Formen der „Volksfrömmigkeit“.

Formen dieser Frömmigkeit ähneln sich in beiden Konfessionen, doch sind die Zeugnisse im katholischen Bereich vielfältiger und häufiger als im Protestantismus. Es kommt daher nicht von ungefähr, dass die Konfessionen im allgemeinen Bewusstsein mehr nach den Praktiken der kirchlichen Bräuche, weniger nach der theologischen Lehre unterschieden wurden. Die evangelische Kirche fühlt sich in reformatorischer Tradition allein dem Wort Gottes, der Bibel, verpflichtet. Bedingt durch Luthers Lehre von der Rechtfertigung des Sünders allein durch die Gnade Gottes bildeten sich nur wenige bildträchtige Formen individueller Frömmigkeit aus, zumal die Verehrung von Kultbildern strikt abgelehnt wurde. Die Lektüre von Erbauungsliteratur bis hin zu Losungsbüchern sind Beispiele für protestantische Frömmigkeit. Die Traditionen von Taufkerze, Andachtsbild, Schmuckstücken in Kreuzform oder Autoaufklebern kommen in beiden Konfessionen vor. Rosenkranz, Reliquien und Wallfahrtsandenken hingegen sind Zeugnisse katholischer Frömmigkeitspraxis.

Die Eingebundenheit in den christlichen Lebenszusammenhang dokumentiert sich auch über die Gestaltung des Wohnbereichs. Im katholischen Glauben hat sich in langer Tradition ein vielfältiges Bilder- und Zeichensystem entwickelt. Kruzifixe, Heiligenfiguren und Weihwassergefäße gehören ebenso in das katholische Haus wie Devotionalien ganz unterschiedlicher Herkunft. Aber eine eindeutige konfessionelle Zuordnung ist nicht in jedem Falle möglich und im übrigen auch nicht sinnvoll, da die Übergänge fließend sind. Insofern hat „Volksfrömmigkeit“ auch einen überkonfessionellen Charakter und kann der Ökumene wichtige Impulse geben.

 

Volksfrömmigkeit – Aktualität des scheinbar Vergangenen

Die so genannte Volksfrömmigkeit ist kein gestriges, sondern ein höchst aktuelles Thema. Frömmigkeitsformen prägen den Alltag bis heute, wenngleich sie nicht immer religiös fundiert sind. Die Tradition christlicher privater Frömmigkeit findet sich, wenn auch immer weniger offenbar, in protestantischen oder katholischen Familien, vorzugsweise im Wohnbereich. Der Aufkleber am Auto – am bekanntesten der Fisch – ist ein offen sichtbares christliches Bekenntnis. Der Spaziergang über einen Friedhof etwa vermittelt einen Jahrhunderte umspannenden Eindruck von der Vielfalt an Frömmigkeitszeugnissen, die sich mit dem Tode von Mitmenschen bis heute verbinden. Das Museum für Sepulkralkultur in Kassel widmet sich dieser besonderen Frömmigkeitsform.

Wegekreuze werden als sakrale Flurdenkmäler bis heute gepflegt. Religiöser Wandschmuck wird immer noch vertrieben, selbst über das Internet können Drucke bestellt werden. Dabei erfreuen sich insbesondere Schutzengelbilder einer ungebrochenen Beliebtheit. Auch ein Markt für religiöse Volkskunst ist nach wie vor vorhanden, ablesbar an der Existenz entsprechender Geschäfte, seien es Krippenschnitzereien oder Devotionalienläden. Die vielfach als Ölschinken geschmähten Schlafzimmerbilder früherer Generationen werden trotz Naserümpfens verstärkt gesammelt, nicht nur von Museen und Archiven. Losungsbücher, allen voran das jährlich in immer mehr Sprachen aufgelegte Losungsbuch der Herrnhuter Brüdergemeinde, und kleine Andachtsbücher als Geschenke für Kranke sind weitere Beispiele für Zeugnisse christlicher Volksfrömmigkeit, die ihre Käufer- und Leserschichten haben. Auch die Initiative „Andere Zeiten e.V.“ in Hamburg mit ihrem in steigender Auflage vertriebenen Adventskalender erfreut sich eines immer größere Kreise umfassenden Zuspruchs. So ist das scheinbar Vergangene immer noch gegenwärtig, findet allerdings auch neue Ausdrucksformen und driftet dabei bisweilen in esoterische Bereiche ab.

 

Volksfrömmigkeit als Ausdruck des alltäglich gelebten Glaubens ist also keineswegs, wie die Brockhaus-Definition es nahezulegen scheint, abgestorben. Die Traditionen individueller Frömmigkeitspraxis werden trotz aller Säkularisierungstendenzen sicher überleben, wenn auch in jeweils gewandelter Form. „Neues wird sich – gleichviel ob in alten oder jungen Formen – auf die Dauer durchsetzen, sofern eine breite Schicht der Gläubigen es trägt; eine Schicht quer durch alle Grade der kirchlichen Hierarchie und des Bildungsniveaus im Kirchenvolk.“ (So die Prognose bei Brückner, Volksfrömmigkeit, in: Frömmigkeit und Konfession, S. 53.)

 

Von der Sammlung zur Ausstellung

Seit 29. August 2002 werden zirka 70 Objekte der „Sammlung Volksfrömmigkeit“ in einer gemeinsamen Ausstellung, verteilt auf zwei Häuser, in Speyer gezeigt. Das Historische Museum der Pfalz und das Zentralarchiv präsentieren jeweils in ihren Räumen Zeugnisse christlicher Volksfrömmigkeit. Vor allem religiöse Wandbilder, Haussegen, Patenbriefe, Geschirr und Erinnerungsblätter sind Beispiele privater Frömmigkeitsformen. Und jedes Stück hat seine Geschichte.

Seit Oktober letzten Jahres ist in den Räumen des Museums eine Ausstellung zur Geschichte des pfälzischen Protestantismus zu sehen, die bereits in enger Zusammenarbeit zwischen Landeskirche und Museum gestaltet wurde. Nun zeigen die beiden zirka eine Gehminute auseinanderliegenden Institutionen erstmals eine gemeinsame Ausstellung zu einem Thema, das schon im Vorfeld großes Interesse fand, wie zahlreiche Voranfragen belegten. Die bisherige Resonanz auf die Präsentation ist ausgesprochen erfreulich. Zahlreiche kirchliche Gruppen und Einzelpersonen, die sonst keinen Bezug zur Archivarbeit haben, setzen sich mit den Zeugnissen des „Glaubens im Alltag“ auseinander. Die Kooperation mit einem Partner wie dem Museum brachte für die Wahrnehmung einer Archivausstellung neben dem zugkräftigen Thema sicher einen öffentlichkeitswirksamen Schub.

Für das Zentralarchiv ist jede Ausstellung ein gewichtiger Teil archivischer und damit kirchlicher Öffentlichkeitsarbeit, wie sie auch im Archivgesetz festgeschrieben ist. Ausstellungen dienen in besonderer Weise der Verlebendigung der Geschichte im Lernort Archiv, keineswegs in Konkurrenz, sondern in fruchtbarer Kooperation mit den Museen, wie das aktuelle Beispiel belegt.

 

Die Autoren

Dr. Gabriele Stüber
geb. in Lübeck; Archivdirektorin des Zentralarchivs der Evangelischen Kirche der Pfalz, Speyer; Studium in Kiel und Ottawa, Canada
Forschungsschwerpunkte: Sozialgeschichte (bes. Alltags- und Frauengeschichte), Diakoniegeschichte, Verwaltungsgeschichte, Kirche und Gesellschaft.

Andreas Kuhn, M.A.
geb. in Mannheim; Kulturhistoriker, Neustadt an der Weinstraße
Studium in Heidelberg;
Forschungsschwerpunkte: Geistes- und Sozialgeschichte, Zeichensysteme, Ikonographie, christliche Kunstgeschichte, Bildrezeption;
Andreas Kuhn berät das Zentralarchiv bei der inhaltlichen Vorbereitung von Ausstellungen (kulturhistorische Einordnung der Stücke, ikonographische Entschlüsselung der Bildprogramme).

 

Weiterführende Literatur zum Thema

“Arme habt ihr allezeit bei euch…”. 125 Jahre diakonisches Handeln in Hannover. Ausstellungskatalog. Hannover 1990.

Brückner, Wolfgang: Elfenreigen – Hochzeitstraum. Öldruckfabrikation 1880-1940. Köln 1974.

Brückner, Wolfgang: Kunst und Konsum. Massenbilderforschung. Würzburg 2000 (Veröffentlichungen zur Volkskunde und Kulturgeschichte Bd. 82; Volkskunde als historische Kulturwissenschaft. Gesammelte Schriften von Wolfgang Brückner).

Brückner, Wolfgang: Frömmigkeit und Konfession. Verstehensprobleme, Denkformen, Lebenspraxis. Würzburg 2000 (Veröffentlichungen zur Volkskunde und Kulturgeschichte Bd. 86; Volkskunde als historische Kulturwissenschaft. Gesammelte Schriften von Wolfgang Brückner).

Brückner, Wolfgang und Pieske, Christa: Die Bilderfabrik. Dokumentation zur Kunst- und Sozialgeschichte der industriellen Wandschmuckherstellung zwischen 1845 und 1973 am Beispiel eines Großunternehmens. Frankfurt am Main 1973.

Dröge, Kurt: Sprüche zur Konfirmation. Bilder zur Erstkommunion. Detmold 1985.

Kriss-Rettenbeck, Lenz: Bilder und Zeichen religiösen Volksglaubens. München 1963.

Lange, Ulrike: Glauben Daheim. Zeugnisse evangelischer Volksfrömmigkeit. Zur Erinnerung. Zimmerdenkmale im Lebenslauf. Eine Gemeinschaftsausstellung des Fränkische-Schweiz-Museums Tüchersfeld, 1994, und des Museums für Sepulkralkultur Kassel 1995. Kassel 1994.

Langner, Bruno: Evangelische Bilderwelt. Druckgraphik zwischen 1850 und 1950. Bad Windsheim 1992.

Scharfe, Martin: Evangelische Andachtsbilder. Studien zu Intention und Funktion des Bildes in der Frömmigkeitsgeschichte vornehmlich des schwäbischen Raumes. Stuttgart 1968.

Schönebeck, Christine: Evangelische Bilderwelten. Konfirmationsscheine. Dokumentation zur Ausstellung im Kreismuseum Peine vom 27.4. bis 31.5.1994.

Unseld, Werner: Bilder im evangelischen Haus. In: Zwischen Kanzel und Kehrwoche. Glauben und Leben im evangelischen Württemberg. Hrsg. v. Landeskirchlichen Museum. Ludwigsburg 1994, S. 33-47.

WA = Martin Luther: Werke. Kritische Gesamtausgabe. Weimar 1883ff.

Bildnachweis: Alle Abbildungen stammen aus dem Zentralarchiv

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Der vollständige Artikel von Gabriele Stüberl / Andreas Kuhn ist in Heft 17/2 2002, Seite 3-18, abgedruckt. Das Heft kann per Mail oder im Buchhandel (ISSN: 0938-2964) bestellt werden.

Eine gekürzte und leicht veränderte Fassung dieses Beitrags erscheint unter dem Titel “Volksfrömmigkeit oder Wie Glaube sich an Bildern festmacht” auf Bitten des Azur-Verlages Mannheim in einer von diesem herausgegebenen Anthologie mit dem Titel “Entwicklungen in Kirche und Theologie”. Die Veröffentlichung ist für das Frühjahr 2003 geplant.