Rezension: Aspekte eigener und fremder Kultur im Film

Ausgabe 16/2 2001

Dehnert, Walter (Hrsg.):
Zoom und Totale.
Aspekte eigener und fremder Kultur im Film.
Marburg 1999, 155 Seiten
ISBN: 3-929425-14-9

Rezension von Thomas Schneider

Die Aufsatzsammlung ging aus einer vom Herausgeber geleiteten Lehrveranstaltung an der J.W. Goethe-Universität in Frankfurt a.M. hervor und beleuchtet die Rolle des Mediums Film als Kulturvermittler. Dabei werden keineswegs nur wissenschaftliche Filme mit den Mitteln der Filmanalyse kritisch durchleuchtet, sondern ebenso Fernsehreportagen. Gleich der erste Beitrag von Holger Ottinger und Sabine Sukowski analysiert den im Jahr 1987 erstmals im ZDF ausgestrahlten Film über einen Kölner “Indianer-Club”, der im Rahmen des Filmzyklus’ “Vereine in Deutschland” gesendet wurde. Auch der Aufsatz von Banu Karaca und Hilger Schmerwitz behandelt einen ZDF-Film aus dem Jahr 1994 zum Thema Glücksspiele in Indianerreservaten. Einen Klassiker des ethnologischen Films analysiert Sonja Speet-Blaudzun in ihrem Beitrag zum Film des amerikanischen Ethnologen John Marshall über den zermoniellen Tanz der !Kung-Buschmänner aus den Jahren 1953 und 1957-58. Dem in Göttingen entstandenen Film über Wandermusikanten aus dem Eichsfeld widmen sich Anja Wiese und Joachim Petri in ihrem Aufsatz.

Einen Beitrag grundsätzlicher Natur liefert Martin Füssenhäuser, der über das Verhältnis zwischen dem Massenmedium Fernsehen und der Kulturwissenschaft Volkskunde Reflexionen anstellt. Zur Rezeption volkskundlicher Filme aus der Sicht des Filmemachers äußert sich Eckhard Schenke – einer der Autoren des o.g. Wandermusikantenfilms – in seinem Aufsatz. Den Abschluß des Aufsatzbandes bildet die “Skizze eines Filmprojekts” von Gisela Weiß und Michael Simon, die über die Entstehung eines Museumsfilms zum Thema weibliche Handarbeiten berichten, der am Seminar für Volkskunde / Europäische Ethnologie der Universität Münster im Jahr 1994 entstand.

Die Auswahl der Beiträge weist auf den Aspektreichtum des Themas “kulturwissenschaftlicher Film” hin und führt gleichermaßen vor Augen, daß es – wenngleich mancherorts heftig eingefordert – einheitliche, verbindliche Standards für dieses Genre kaum gibt, ja kaum geben kann, sieht man von der mittlerweile wohl allgemein akzeptierten Forderung ab, daß auf die Sehgewohnheiten des Publikums einzugehen ist. Die Produktionsbedingungen in Sendeanstalten und Universitätsseminaren sind wohl doch zu verschiedenartig, als daß ein direkter Vergleich statthaft wäre und sich daraus Standards und Richtlinien ableiten ließen (obzwar man auch mit großen Budgets und moderner Ausrüstung schlechte Filme machen kann).

Und daß der filmischen Aufbereitung kulturwissenschaftlicher Themen durchaus auch Grenzen gesetzt sind, darauf weist der Herausgeber im Untertitel seines Seminars implizit hin. Seinem Anspruch, daß “Volkskunde, Ethnologie und Filmwissenschaft einen wichtigen Beitrag zur kulturwissenschaftlichen Diskussion” (S. 5) liefern, kann gleichwohl beigepflichtet werden in der Zuversicht, “daß die vorliegende Publikation möglichst vielen Studierenden im Bereich Film- und Kulturwissenschaften nachhaltige Ermutigung und Ansporn gibt” (S. 7) – so wie der Herausgeber sich dies wünscht.

______________________________________________________________________

Die Rezension ist in den Informationen Volkskunde in Rheinland-Pfalz, Heft 16/2 2001, Seite 92-93, erschienen. Das Heft kann per Mail oder im Buchhandel (ISSN: 0938-2964) bestellt werden.